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Johannes Obernburger

Johannes Obernburger wurde um 1500 in Obernburg als Sohn einer privilegierten Familie mit dem Namen Schmidt geboren. Später übersetzte er diesen nach Brauch der Gelehrten ins Latein = Fabri. Als er jedoch die große Bühne der Weltpolitik betrat musste er feststellen, dass diese voll mit Johannes Fabris und Hans Schmidts war. So nannte er sich nach seiner Heimatstadt, was ihn in der Welt einmalig machte. Durch seine Arbeiten wurde dann der Name Obernburger weithin bekannt.

Nach Schule und Theologiestudium trat er 1522, drei Jahre nach der Kaiserwahl Karls V. und ein Jahr nach dem Wormser Edikt, der Ächtung Luthers durch Karl V., als Schreiber in die deutsche Reichskanzlei ein. Diese Behörde reiste mit Karl V. und seinem Hof durch dessen Reiche in ganz Europa und begleitete ihn auch auf seinen zahlreichen Feldzügen. Obernburger war in der großen Welt angekommen. Spuren von ihm wurden aus Valladolid, Madrid, Tunis, Rom, Cremona, Brüssel, Gent, Löwen u.v.a. gefunden.

Mit den Jahren stieg der einfache Schreiber in der Reichsbehörde auf. In Spanien wurde er 1524 als Registrator geführt. 1532 avancierte er beim Reichstag in Regensburg zum Sekretär, spätestens 1537 zum leitenden Sekretär der Kanzlei. In dieser Funktion wurde er das Bindeglied von der Ebene der Verwaltung, die ihm unterstand, zur Ebene der Räte, die die politischen Entscheidungen traf. In der Amtshierarchie folgte er damit auf Kaiser, Kanzler und Reichsvizekanzler. Da er zu manchen Zeiten der einzige Deutsche in den ersten Regierungsrängen war, wurde er für alle Belange aus dem Reich zu einem wichtigen Ansprechpartner. Sein Einfluss wurde immer größer. So verlas er bei den Reichstagen in Deutschland die Punkte, die der Kaiser auf die Tagesordnung gesetzt hatte.

Obernburger stand in seinem Amt inmitten der heftigen, auch mit militärischen Mitteln geführten Auseinandersetzungen der Reformation. Auf der Seite des Kaisers profitierte er von dessen Siegen über die Protestanten im Schmalkaldischen Krieg 1546/47, er erlebte jedoch auch den Beginn des Scheiterns Karls V. an den religiösen Konflikten. Obernburger starb am 23. Juni 1552 in Villach, drei Jahre vor dem Augsburger Religionsfrieden und vier Jahre vor der Abdankung des Kaisers. Obernburger war somit über 30 Jahre in der deutschen Reichskanzlei Kaiser Karls V. tätig und hat den Kaiser damit nahezu durch dessen ganze Regentschaft begleitet. Man kann also zu Recht behaupten, dass mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte über sein Schreibpult liefen.

Korrespondenzen Obernburgers sind u. a. überliefert mit dem Haus Fugger und mit zahlreichen Fürsten und Bischöfen des Reiches. Dokumentiert sind überdies Briefwechsel und Kontakte mit den bekannten Reformatoren Martin Bucer und Philipp Melanchthon. Zeitlebens pflegte Obernburger enge Verbindungen zum Mainzer Domkapitel und zur Reichsstadt Nürnberg. Er hatte im gesamten Reich etliche Kirchenämter inne. Das wohl lukrativste Amt erlangte er 1551 mit der Propstei am Stift St. Bartholomäus in Frankfurt (Dom).

 

 

In vielen Obernburger Familienalben  findet sich sicher das Foto eines     Festzuges aus dem Jahre 1952 (400. Todestag). Johannes Obernburger (Otto Elbert) thront dort, gekleidet als hoher Geistlicher, umgeben von Dienerschaft, hoch auf einem Festwagen.

Dieses Bild kann aber heute nicht glaubhaft weitergezeichnet werden, denn das Leben Obernburgers hatte wenig Triumphales. Man muss sich vielmehr einen hohen Verwaltungsbeamten vorstellen, der einen gewissen politischen Einfluss besaß und auch ausübte. Obernburger hat seine Kirchenämter nie praktisch versehen; diese waren vielmehr kaiserliche Einkommensbeihilfen. Die politische Bedeutung Obernburgers lässt sich am besten an der Höhe der halblegalen Zuwendungen ablesen, die er von allen Ständen des Reiches entgegennahm. Vieles von dem, was man ihm zuspricht, hat nach neueren Forschungen Obernburger gar nicht geleistet hat. Zugleich wurde aber in den bisherigen Veröffentlichungen auch einiges übergangen, z. B. sein Töchterlein Barbara.

Die Familie Obernburger
Obernburger sorgte auch dafür, dass seine Familie von seinem Aufstieg profitierte. Sein Neffe Peter z.B. wurde unter Kaiser Maximilian II. Reichshofsekretär und stieg unter Kaiser Rudolf II. sogar zum Reichshofrat auf. Nimmt man seinen Neffen Peter Obernburger noch hinzu, haben diese beiden etwa 50 Jahre lang für drei verschiedene Kaiser Urkunden und Briefe unterzeichnet. Man findet den Namen und die Heimatstadt dieser Beamtensippe in jedem größeren Archiv und in jeder größeren Bibliothek.

Mit dem Grabmal der Brüder Johannes und Peter Obernburger befindet sich im Turmdurchgang der Obernburger Stadtpfarrkirche ein einzigartiges Zeugnis dieser Familie. Der Stein dokumentiert einen außergewöhnlichen Lebensweg der Renaissancezeit, der in Obernburg begann, um die Welt führte und wieder in Obernburg endete. Das Grabmal ist künstlerisch wie historisch äußerst wertvoll und stellt ein Prunkstück in der Geschichte der Stadt dar. Man kann anhand dieses Steins eine ganze Epoche zeichnen, in der Obernburg mittelbar mit der Weltgeschichte verbunden war.

Nach dem jetzigen Stand der Forschung ist die Stiftung der Freischule für Obernburger Kinder durch Johannes Obernburger mit vielen Fragezeichen zu versehen. Wahrscheinlicher ist es, dass er seinen Familienangehörigen genügend Mittel hinterließ und diese dann die Stiftung vornahmen. So trägt, wenn auch indirekt, die Grund- und Hauptschule in Obernburg zu Recht seinen Namen. An den berühmten Obernburger Bürger erinnert die Johannes-Obernburger-Straße, die in Höhe der Stadthalle von der Jahnstraße abzweigt.

Über Leben und Wirken von Johannes Obernburger führt zur Zeit Eric Erfurth ein Forschungsprojekt durch. Die Initiative dazu ging von Günther Koch, einem gebürtigen Obernburger aus. Ziel von Erfurth ist es, ein Buch über die gesamte Lebensgeschichte Johannes Obernburgers mit allen Hintergründen herauszubringen, das in der Fachwelt bestehen kann. Dieser Bericht basiert auf den genannten Recherchen.

Eric Erfurth/Bearbeitung Heinz Janson

 

Für die folgende Aussage liegt kein urkundlicher Beleg vor:
Elf Jahre nach seinem Tod ließ der Stadtrat in Erinnerung an seine Stiftung an seinem Elternhaus in der Römerstraße 26 eine Sandsteinbüste mit Portraitcharakter anbringen. Sie ist heute noch, wenn auch verwittert, am Textilhaus Vad, das an der Stelle seines Elternhauses neu erbaut wurde, zu sehen.