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Heimat- und Verkehrsverein (HVV) 63785 Obernburg am Main
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Obernburgs mittelalterliche Stadtbefestigung
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Viele Besucher Obernburgs erfreuen sich an den noch sichtbaren Resten der bis zum Jahre 1860 noch völlig intakten mittelalterlichen Stadtbefestigung, den Toren, Türmen und Mauern, denen heute ein Hauch Romantik anhaftet. Das war früher für die Bewohner sicher ganz anders, denn um freies Schuss- und Verteidigungsfeld zu haben waren keine Anwesen außerhalb der Mauern erlaubt. Dadurch musste die Bevölkerung vom 14. bis ins 19. Jahrhundert eingeengt innerhalb der Stadtmauern mit ihren Haustieren zusammenleben. Die hygienischen Verhältnisse kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Darüberhinaus mussten sich die Bürger nicht nur ständig für den Verteidigungsdienst auf den Mauern und Türmen bereithalten, sondern auch mit Arbeitseinsatz und Abgaben helfen, die Stadtbefestigung zu erhalten oder weiter auszubauen.
Wie kam es zur heute noch sichtbaren Befestigung Obernburgs? Erzbischof Peter von Mainz, der bei seinen Amtsgeschäften häufig durch Obernburg reiste, fasste am 23. Mai 1313 den Entschluss, den Ort wegen seiner strategischen Lage zu befestigen und zur Stadt zu erheben. Dies konnte er aber nicht ohne die Genehmigung des deutschen Königs oder Kaisers tun. Sie wurde dann am 27. Juli 1317 von König Ludwig dem Bayern erteilt. Danach ließ Peter von Mainz zunächst Gräben, Wälle und Palissaden erneuern und die Tore verschanzen. Die vollständige Befestigung mit Mauern und Türmen aber unterblieb. Erst ein Nachfolger Peters veranlasste den Ausbau der Befestigung, indem er eine zweite vertiefte Umgrabung und einen Zwischenraum zwischen dem ersten und zweiten Graben erstellen ließ.
Nach Einführung der Schießgewehre und besonders der Kanonen reichte dann die Befestigung Obernburgs nicht mehr aus. Schon vorher mussten die schwachen Stellen der Mauern verstärkt und durch eingefügte Halbtürme besser geschützt werden. Unter Dieterich (Schenken von Erbach) und unter Diether (Grafen von Isenburg) wurden die Verteidigungsanlagen durchgreifend erneuert. Die Gärten und Stallungen, Scheuern, welche an die Stadtmauern angerückt waren, mussten soweit entfernt werden, dass man mit einem Wagen auf einem breiten Weg ("Zwinger" genannt) ringsum innerhalb der Stadtmauern herumfahren konnte. Diese Wege sind die heutigen Wallstraßen. Die Tore erhielten an ihren Zugängen krumme Torwege und Vortürme, damit die Tore nicht direkt mit Kanonen beschossen werden konnten.
Zwischen 1344 und 1347, nach der zweiten Genehmigung der Stadterhebung Obernburgs durch Kaiser Ludwig dem Baier, erfolgte eine verbesserte Instandsetzung der Wälle und Gräben. Die Mauern wurden drei bis vier Schuh dick (ca. 90-120 cm) erneuert und mäßig hohe Türme wurden erbaut.
Als Kurfürst Theodorich von Erbach 1440 befahl, dass alle Städte und Flecken im Maingelände besser befestigt werden sollten, fing man in Obernburg an, die Mauern zu erhöhen, die Gräben zu vertiefen und die Zwischentürme, die davor nur Halbtürme waren, voll auszubauen. In diese Periode fällt die Erbauung des oberen und unteren Torturmes und der Ecktürme auf der Mainseite.
In der Regierungszeit des Kurfürsten Uriel von Gemmingen von 1508 bis 1514 fiel dann ein weiterer Ausbau der Haupt-Stadttürme.
Die Erhaltung der Befestigungsanlagen in Bezug auf Wallgräben, Mauern, Türme und Schießwaffen, Pulver und Blei machte große Ausgaben nötig, die die Schulden der Stadt vermehrten, ohne jedoch hinreichend Schutz zu gewähren.
Um das benötigte Geld aufzubringen, wurden (ähnlich wie heute) immer wieder (neue) Abgaben erhoben:
- Das Lagergeld von fremdem eingeführtem Wein und das Umgeld (Ohmgeld) von verzapftem Wein und später auch vom Bier wurde von der Stadt erhoben und zur Hälfte zum Bau und zur Unterhaltung der Festungswerke verwendet. Das Weggeld, von fremden Fuhrwerken und von Handelstieren an den Stadttoren erhoben, wurde in gleicher Weise zur Hälfte verwendet.
- Die Erhebung des Geschosses, dessen Ursprung verschollen ist, erfolgte von allen Bürgern und Insassen, die im Stadtbezirk Liegenschaften hatten und den Stadtschutz genossen; es war zum Ankauf der Geschosse, Bliden (Katapulte auf den Türmen), Hackenbüchsen, Donnerbüchsen auf den Stadtmauern und Bollwerken (Vorwerken an den Toren und Ecktürmen), von Kugelsteinen, Bogen, Armbrüsten, Pfeilen, Spießen auf Mauern und Türmen bestimmt.
- Im Jahre 1346 hatte die Stadt bereits einen Pilgerstock am Oberen Tor (Pilger hieß jeder fremde Reisende aus dem Stande der Gemeinen), d. h. einen Zollstock, bestehend aus einem hohlen Stamme oben mit eisernem Verschlusse, wie die Opferstöcke der Kirchen, worin die Pilger (Reisenden) je zwei Heller einwerfen mussten. Nach der jährlichen Öffnung und Zählung wurde eine Hälfte des Geldes der Stadt zum Zwecke des Festungsbaues zugewiesen.
- Für die Benutzung der gepflasterten Römerstraße hatten die Kaufleute Pflasterzoll zu zahlen. Dabei gab es natürlich auch Verhaftungen und Streitereien mit den Fuhrleuten, die sich über die heutige Lindenstraße an der Stadt vorbei zu schleichen versuchten, um so den Zoll zu umgehen.
Alte Obernburger Stadtansichten und -pläne Auf einer Karte von 1615 ist Obernburg mit Mauern und Türmen gezeichnet. Die Darstellung dürfte aber nicht dem echten Aussehen Obernburgs entsprechen.
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Auch der Plan des Artillerie-Leutnants Haaß (links) von 1804 zeigt den Stadtplan nicht korrekt, denn es sind mehr Straßen als tatsächlich vorhanden eingezeichnet.
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Ob die Stadt so ausgesehen hat, wie auf dieser Zeichnung, die im ehemaligen Römermuseum in der Mainstraße zu sehen war, ist ebenfalls fraglich.
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Erst der Katasterplan von 1844 gibt eine realistische Darstellung Obernburgs. Die Stadt hat einen fast rechteckigen Grundriss von etwa 370 m x 210 m mit ca. 77.700 m² Fläche. Sie wurde gesichert von fünf Türmen: (1) Hexenturm im Nordwesten, (2) Gumpenturm im Nordosten, (3) Almosenturm im Südosten und (4) Täschenturm im Südwesten, an der Westseite der Stadtmauer zusätzlich vom (5) Runden Turm. Drei Zugänge hatte die Stadt: Das (6) Obere Tor oder Uhrturm im Süden, das (7) Untere Tor im Norden und das (8) Maintor.
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Die Zeichnung von Peter Burkart zeigt die Stadtbefestigung und die damals vorhandenen Straßen.
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Die Stadtmauer Die 65 bis 90 Zentimeter dicke Stadtmauer hatte mit ihrem hölzernen Wehrgang eine Höhe von durchschnittlich 19 Schuh (1 Schuh = 0,288 m) = 5,50 Meter. Der Mauerring bestimmte vom 14. bis ins 19. Jahrhundert die Entwicklung Obernburgs.
Stadtobersekretär Becker schrieb 1912: "Zu Beginn des Jahres 1888 war Obernburg noch ganz mit einer Mauer umgeben durch die sieben öffentliche Durchgänge führten; infolgedessen war die Bautätigkeit sehr gehemmt und nur wenige Häuser standen außerhalb der Stadtmauer." Im Laufe der Jahre gab es dann immer mehr Gesuche von Bürgern an die Stadt, die Stadtmauern durchbrechen zu dürfen oder Gebäude außerhalb an die Stadtmauer zu stellen.
Becker schrieb weiter: "Am Ostersonntag, dem 30. März 1890, stürzte ein Teil der Stadtmauer am westlichen Stadtteil ein und von da ab wurde in den folgenden Jahren die Stadtmauer Stück für Stück eingelegt. Nun kam Licht und Luft in die Altstadt und die Bautätigkeit fand kein Hemmnis mehr, sich auch außerhalb der Altstadt zu entwickeln, so dass heute 81 Hauswesen außerhalb der früheren Stadtmauer stehen."
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Abbruch der Mauern bis auf einige kleinere Reste abgeschlossen. Das Abbruchmaterial wurden für die Vergrößerung des Schiffslandeplatzes und für die Friedhofsmauer verwendet. Außerdem wurden die Kapellengriesinseln am Main aufgefüllt und somit die Voraussetzung für die Anfang 1930 angelegte Mainanlage geschaffen.
Peter Burkart hat im Jahr 1994 die noch vorhandenen Reste der Stadtmauer und die innen liegenden Zwingermaueranlage aufgemessen. Die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen Mauerreste sind fast unbedeutend und stellen keinen umfassenden Einblick in die Befestigungsanlagen der Stadt dar.
Alle Bauteile sind in Bruchsteinmanier erstellt worden. Das Material ist roter Buntsandstein. Die Höhe der noch vorhandenen Stadtmauerreste sind unterschiedlich Der jetzige Mauerabschluss ist meist flach gehalten und mit Zementmörtel abgedeckt. Die Mauerreste (rote Striche in der Zeichnung) schließen an noch erhaltene Turmbefestigungsanlagen an.
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Das 23,60 m lange, 5,60 m bzw. 3,40 m hohe und 0,90 m bis 1,30 m dicke Stück Stadtmauer zwischen Oberem Tor und Täschenturm ist das einzige noch einigermaßen original erhaltene Teil der Stadtbefestigung. Es fehlt jedoch der aus Holz gebaute Wehrgang.
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Der Zwinger Der Zwinger (unbebauter Zwischenraum zwischen Hauptmauer und Zwingermauer) zwischen Stadtmauer und Wohnbebauung führte im Katasterplan von 1844 noch keine Straßen- oder Gassenbezeichnung. Die Mauern sind wesentlich schwächer, ihre Stärke beträgt etwa 50 cm. Die Höhe geht nicht über das Maß von 2,25 m hinaus. Über die eigentliche Höhe der Zwingermauer können keine Angaben gemacht werden. Die Reste sind oftmals für Anbauten der dahinterliegenden Grundstücke benutzt worden. Die noch sichtbaren Reste in der Oberen Wallstraße sind in dem weiter oben gezeigten Stadtplan von 1994 mit blauen Strichen gekennzeichnet.
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Das Bild zeigt eine der noch erhaltenen Zwingermauern in der Oberen Wallstraße Richtung Täschenturm.
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Das Maintor war der Zugang zum Main und später auch zur Fähre. Für die immer größer werdenden Fuhrwerke (Langholz, Steine), die ihre Fracht zur Schiffsanlegestelle bringen mussten, erwies sich das Tor als Hindernis, so dass es bereits um 1850 zu einer Bauruine geworden war und 1866 abgebrochen wurde.
Das Abbruchmaterial wurde für den Bau der Brückenrampe und den Erweiterungsbau der Pfarrkirche von 1890 verwendet.
Dieses Bild des Maintores (links) um 1400 befindet sich auf der Rückseite des im Rathaus aufgehängten Bildes (unten) von Carl Richard, das das Maintor um 1850 zeigt.
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Nach dem Abbruch wurde kein Turm, sondern weiter in Richtung Main versetzt eine torähnliche Anlage erbaut; nur wurde hier kein Rundbogen errichtet, sondern man baute zwei gegenüberstehende Turmimitationen mit Zinnenkranz, die allerdings beim Bau der Mainbrücke 1890 bzw. der Brückenrampe entfernt wurden, so dass heute nichts mehr vom Maintor zu sehen ist.
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Blick durch die Maintortürme um 1880 in die Maingasse. Vorne rechts Gerbereigebäude Wörn am Mühlbach, hinter dem linken Torturm Gasthaus "Karpfen".
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Diese um 1850 entstandene Stadtansicht zeigt hinter der Stadtmauer die enge Altstadtbebauung. Links beginnend sind Runder Turm, Täschenturm, Oberes Tor und Almosenturm zu sehen.
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In diesem an der Ecke Römer-/Lindenstraße vom Rotary Club Obernburg aufgestellten Relief der heutigen Obernburger Altstadt ist die mittelalterliche Stadtmauer mit den zwei erhaltenen Toren und den fünf Türmen durch die schwarze Linie, die Lage und Größe des römischen Kastells durch die weiße geschlossene Linie und der Verlauf der „römischen Römerstraße“ weiß gestrichelt dargestellt.
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Das schmucke Obere Tor in der Römerstraße, das den von Süden kommenden Besuchern der Obernburger Altstadt einen imponierenden Anblick bietet, ist als einziges der ursprünglichen drei Tortürme nach einigen Renovierungsarbeiten (unter anderem 1976 durch den Obst- und Gartenbauverein) noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. (Die Bilder wurden 2011 aufgenommen.)
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Die heute als Durchfahrt genutzte 3,65 m breite Öffnung konnte früher mit einem massiven Tor und zusätzlich mit einem Fallgitter verschlossen werden. Sieben Führungsklauen des Fallgitters sind noch an der Außenwand erhalten.
Im Turminneren kann man einen Holzbalken erkennen, der als Lager für den Hubmechanismus des Fallgitters diente. Oben im Durchfahrtsgewölbe ist die Öffnung zu sehen, aus der Angreifer mit heißen Flüssigkeiten übergossen werden konnten.
Mit Beginn der Dunkelheit wurde das Tor geschlossen und spätere Heimkehrer oder Besucher konnten nur noch durch die daneben liegende kleine Pforte an der Mainseite von den kontrollierenden Stadtsoldaten eingelassen werden, die auch den Pflasterzoll erhoben.
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Nach dem Abbruch eines Hauses wurde 1899 an Stelle dieses kleinen Durchgangs ein Durchgang durch die Stadtmauer erstellt. Um die Spannungsverhältnisse zwischen Mauer und Turm weiterhin zu gewährleisten, wurden links und rechts des Turmes Mauerteile erhalten. Der bergseitige Durchgang wurde erst nach 1945 geschaffen.
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In seiner Befunduntersuchung vom August 1999 anlässlich Renovierungsarbeiten schreibt der beauftragte Restaurator Christian Giegerich: "Es kann davon ausgegangen werden, dass das ursprüngliche Bauwerk Oberes Tor im späten 13. Jahrhundert entstanden ist. Man kann sich dieses erste aus Stein errichtete Tor als ein etwa sieben Meter hohes Bauwerk mit Durchfahrt und einfachem Dach vorstellen, das auch Wehrfunktionen hatte.
Etwa um 1380 bis 1400 wurde auf diesem, immerhin sehr massiven Mauerwerk, welches inzwischen in den seit 1330 fortgeführten Mauerbering eingegliedert worden war, der Turm errichtet, der nach der Bauart der Gegend in dieser Zeit ein ‚Spatendach‘ gehabt haben könnte. Die Datierung für diesen zweiten Bauabschnitt ergibt sich aus dem Vergleich mit dem Sandtor-Turm in Aschaffenburg von 1380. Die Uhrzifferblätter des Oberen Tores, datiert 1523, könnten, wie es auch heute noch in anderen Städten am Main der Fall ist, zuerst am Mauerwerk angebracht gewesen sein, bevor sie an der Dacharchitektur von 1586 befestigt worden sind. Das Obere Tor war von Anfang an verputzt."
Als der Güterverkehr auf den Handelsstraßen immer mehr zunahm, die Fuhrwerke immer größer wurden, musste auch um 1841 die Durchfahrt vergrößert werden. Ein Abriss, wie beim Unteren Tor, wurde abgelehnt, denn historisch wertvolle Gebäude durften zu dieser Zeit nicht mehr abgebrochen werden.
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Die mit Schiefer gedeckte markante Turmhaube mit dem abgewalmten Satteldach, der achteckigen Laterne, an der heute die Uhr angebracht ist (daher wird das Obere Tor auch Uhrturm genannt) und der haubenartigen Kuppel, wurde 1586 errichtet.
Der Turm wird gekrönt von einem vergoldeten Doppeladler.
Je ein großes vergoldetes Zifferblatt zeigt die Zeit stadteinwärts und stadtauswärts an.
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In den Uhrturm wurde ein mechanisches Uhrwerk eingebaut. Die im 13. Jahrhundert erfundenen mechanischen Uhrwerke, die mit Hilfe von Gewichten angetrieben werden, ermöglichten mit ihren ausgetüftelten Zahnradsystemen und Zeigerwerken eine bislang unbekannte exakte Zeitmessung. Gekoppelt mit Glocken signalisierten sie jedermann auf dem Feld und in der Stadt, welche Stunde es geschlagen hatte.
Am unteren Zifferblattrand der Obernburger Uhr steht die Jahreszahl 1523, d. h. es ist eine sehr frühe Uhr. Leider bezieht sich das nur auf die Zifferblätter, das alte Uhrwerk ist nicht mehr vorhanden. Heute werden Zeiger und Glockenschlag durch ein 1925 von der Turmuhrfabrik Georg Rammensee in Gräfenberg/Oberfranken gebautes Uhrwerk angetrieben. Es kostete 1.159 Goldmark und wurde unter Bürgermeister Kommerzienrat Heinrich Wörn angeschafft.
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Da das Rammensee-Uhrwerk um 400 Jahre jünger ist als die Zifferblätter, könnte es das 3. oder 4. Uhrwerk sein, das die alten Uhrzeiger antreibt. Das Uhrwerk steht in einem Raum unmittelbar über der Durchfahrt.
Der Antrieb der wesentlich höher angeordneten Uhrzeiger erfolgt über Wellen und Kardangelenke. Angetrieben wird das Uhrwerk von drei Gewichten (80 kg, 160 kg und 180 kg), die in der Eisengießerei Ripperger in Kleinheubach gegossen worden sind.
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Die Gewichte dienen für den Uhrwerkantrieb, den Viertelstunden- und den Stundenschlag. Einmal in der Woche müssen sie jeweils 15 Meter hochgezogen werden.
Die Glocken befinden sich in der Turmlaterne. Die große Glocke für den Stundenschlag wiegt 50 kg, die kleine für den Viertelstundenschlag 15 kg.
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Angetrieben werden die Schlaghämmer durch Drähte vom Uhrwerk aus. Dieses reagiert sensibel auf wechselnde Raumtemperaturen.
Edmund Ripperger, der die Uhr von 1945 bis 1956 und seit 1976 ehrenamtlich wartet und sie geschützt vor Schmutz mit einem Glaskasten umbaut hat, ist sehr stolz darauf, die Abweichung der Uhrzeit mit Geschick und Fachkenntnis auf kleiner als zehn Sekunden pro Woche halten zu können.
Herzlichen Dank Edmund!
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Das Untere Tor, in dem zeitweise auch auf zwei Ebenen in vier Kerkerzellen das städtische Gefängnis untergebracht war, ähnelte einmal dem Oberen Tor, hatte wie dieses einen mehrgeschossigen Aufbau, allerdings keine Haube mit Uhr, sondern ein einfaches, seitlich gekröpftes Dach. Die Zeichnung (links) wurde 1788 aus Anlass der Erbauung des Gefängnisses im Turm erstellt.
Im Laufe seines Lebens entsprachen die Tordurchfahrtsmaße nicht mehr den größer gewordenen Fuhrwerken des zunehmenden Handelsverkehrs. Oft mussten Wagen abgeladen werden, manchmal mussten auch Pflastersteine herausgenommen werden, um eine Durchfahrt zu ermöglichen.
1837 stellte der Magistrat daher den Antrag, das inzwischen auch baufällig gewordene Tor ganz abzureißen.
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Die königlich bayerische Regierung ließ zwar den Abriss zu, verfügte aber, dass danach eine neue Toranlage erstellt werden müsste, die dem Charakter einer umfriedeten Stadt gerecht werden sollte.
Daraufhin wurde das Untere Tor in seiner heutigen Form als eine einfache Rundbogentoranlage mit beidseitiger Turmimitation (1,68x1,68m) und Zinnenabschlüssen aus rotem Sandstein neu erbaut. Der Rundbogen überspannt eine Breite von 4,30 m.
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Aktuelle Situation 2011, links Blick stadteinwärts, rechts stadtauswärts.
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Die seitlichen Fußgängerdurchgänge wurden erst später angebracht. Der stadtauswärts rechte Durchgang am früheren Benefiziatengarten, jetzt Kindergarten, war bereits um 1900 vorhanden. Der andere Durchgang wurde erst in den späten 1950er Jahren angelegt.
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Die Stadttürme In seiner Geschichte der Stadt Obernburg von 1875 erwähnt Dr. Kittel, dass zwischen 1344 und 1347 zunächst nur mäßig hohe Türme (Halbtürme) erbaut wurden. 1440 begann man dann auf Befehl von Kurfürst Theoderich von Erbach mit der Erhöhung der bisherigen Halb- und auch der Tortürme. Die Baumaßnahmen dauerten bis in die Regierungszeit des Kurfürsten Uriel von Gemmingen (1508-1514) an. Dr. Kittel schreibt aber nicht, welche Maßnahmen wann und an welchen Türmen erfolgten, so dass Spielraum für viele Spekulationen bleibt, u. a. welcher Turm war zunächst ein Halbturm und welcher nicht.
Runder Turm Der Runde Turm steht an der westlichen, also bergseitigen ehemaligen Befestigungsflanke an der Ecke Runde-Turm-Straße/Obere Wallstraße. Im Mittelalter gab es die Runde-Turm-Straße noch nicht, sie wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut. Warum hat man aber an dieser Stelle kein Tor, sondern einen Rundturm errichtete, während alle anderen Türme einen viereckigen Querschnitt haben? Stand der Turm evtl. schon vor der Erbauung der Stadtmauer und diente er vielleicht der Bevölkerung wie ein Bergfried als Zufluchtsort? Es soll auch einen unterirdischen Geheimgang vom Turm zu dem Brunnen Ecke Römerstraße/Runde-Turm-Straße geben. Warum ist der Turm mit seinen Fensteröffnungen und der Einmanntür auf der Stadtseite leicht verdreht in die gerade Stadtmauer eingebaut worden? Diese Fragen sind heute nicht mehr zu klären.
Der ungegliederte, aus Bruchsteinen gemauerte Turm ragt im Jahr 2011 ca. 21,50 m in die Höhe. Sein Umfang am Turmfuß beträgt 20,20 m, im oberen Zinnenbereich 22,20 m. Der Fußboden liegt 1,50 m über dem jetzigen Straßenniveau. Darüber, ob der Turm in einem Stück erbaut oder erhöht wurde, gibt es unterschiedliche Meinungen. An der nördlichen und südlichen Turmseite ist noch der Anschluss der ca. 5,50 m hohen und ca. 86 cm starken Stadtmauer sichtbar. Der frühere Eingang von der Stadtmauer befindet sich auf der Stadtseite ca. 6 m über dem Boden. Die starken Doppelkonsolen sind noch gut erhalten. Der heutige Zugang an der Westseite entstand erst später.
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Der Runde Turm einst (links) und 2011 (rechts) von der Stadtseite aus mit den Doppelkonsolen und darüber die frühere Eingangsöffnung von der ehemaligen Stadtmauer aus.
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Neben dem Turm gab es einen kleinen Durchlass, durch den die Bauern zu Fuß die Weinberge und Felder hinter der Stadt erreichen konnten.
Die Mauerstärke im Erdgeschoss beträgt 1,70 m, im 1. Stock 1,55 m, im 2. Stock 1,35 m, im 3. und im 4. Stock immer noch 1,25 m. Der freie Raumdurchmesser steigt von 3 m im Erdgeschoss auf 3,90 m im Obergeschoss. Die meisten Öffnungen nach außen waren bzw. sind mit behauenen Gewändern versehen. Die Fensteröffnungen im 2. Stock, die sich nur an Süd-, West- und Nordseite befinden, sind am kleinsten ausgefallen. Im 3. Stock dagegen sind sie in alle vier Himmelsrichtungen großzügiger gestaltet. Der Aborterker im 4. Stock befindet sich an der südwestlichen Außenseite. Zwei löwengesichtige Wasserspeier am Fuß des Zinnenkranzes leiten das Wasser ab.
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Die Zeichnung von Peter Burkart zeigt, dass sich im Erdgeschoss ein verliesartiger Raum mit Kuppelwölbung mit einer Zugangsöffnung (60x60 cm) im Scheitel befindet. Das Gewölbe im 4. Stock hat die gleichen Konstruktionsmerkmale wie im Untergeschoss. Das könnte ein Indiz sein, dass der Runde Turm in einem Stück erbaut wurde, also kein Halbturm war.
Zwischen 1889 und 1891 wurde der Runde Turm generalüberholt. Dabei wurde der ursprüngliche Außenputz bei der Neuverbandelung des Mauerwerks entfernt. 1891 wurde auch die heute noch benutzbare Stiege eingebaut.
Es war die Zeit, als Conrady mit den Ausgrabungen des Kastells begonnen hatte und die römischen Funde so zahlreich geworden waren, dass im Runden Turm von 1892-1909 die städtische Schausammlung, quasi das erste Römermuseum, untergebracht wurde. Damals waren in allen Fensteröffnungen Butzenscheiben eingesetzt, die aber im Laufe der Zeit wieder verschwanden.
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Am 13. Oktober 1997 gegen 18 Uhr stürzte ein beträchtlicher Teil (ca. 6 m) der Turmzinnen wegen Ermüdungserscheinungen der jahrhundertealten Konsolen (vier von insgesamt 24 Konsolen brachen ab) und Umwelteinflüssen ab. Die Konsolen tragen die Bogensteine, auf denen wiederum die Brüstung aufgemauert ist. Zum Glück wurde niemand verletzt. Der marode Zinnenkranz wurde damals abgetragen, zur Stabilisierung des Mauerwerks eine Stahlbetondecke eingezogen, vieles verstärkt und mit Dübeln fixiert, der Zinnenkranz, zum Teil mit neuen Steinen wieder aufgebaut und zum Schutz gegen Wassereinflüsse mit Sandsteinplatten verkleidet. Der alte und morsche Schnurbaum (Sophora) an der Eingangstür wurde gefällt und durch einen neuen ersetzt.
Im Jahr 2002 wurden auf Kosten des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) die Treppenanlagen und der Bodenbelag neu gestrichen, das Turminnere entstaubt und an allen Maueröffnungen Fenstergitter angebracht. Später erfolgte auch noch die Elektrifizierung des Turmes auf Rechnung des HVVs.
Heinz Janson
(wird fortgesetzt)
Quellen: Geschichte der Stadt Obernburg von Hofrat Dr. Kittel, 1875 1900 Jahre Obernburg am Main, Chronik von Dr. Leo Hefner Obernburg am Main – Ein Stadtrundgang von Dr. Leo Hefner Aufzeichnungen und Pläne von Peter Burkart Archiv der Stadt Obernburg Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Unterfranken, XXIII. Bezirksamt Obernburg Verschiedene Veröffentlichungen
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